Berliner Zeitung - German - August 26, 1999
Vorboten einer Landplage
In Extremo: Mit freier Brust und Feuerspeierei
Sie wollen unbedingt infernalisch, martialisch oder mindestens anstößig wirken. Sie nennen sich "In Extremo", ihr neues Album "Verehrt und angespien" und besingen sich als "Vaganten, die ihr Glück in der Hölle fanden". Ihr Symbol ist der Galgen. Aber das Spiel mit gruslig-trunkener Mittelalter-Mystik ist nicht mehr provozierend, sondern längst allgegenwärtig. In Extremo können sich immerhin zu den Vorboten dieser argen Landplage zählen. Denn schon seit 1995 machen die Dudelsack-Gesellen um den Sänger "Das letzte Einhorn" nicht nur Burgfeste, sondern auch Rockhallen unsicher.
Neben Akrobaten zogen auch Musiker aus den Ostberliner Bands "Freygang", "Noah" und "Tausend Tonnen Obst" Lederschürze und gespornte Stiefel an. Mit ihrem Repertoire betätigen sich In Extremo, um mal in ihrer Diktion zu bleiben, als Plünderer, Räuber und Brandschatzer. Ob deutsche Liedtexte aus dem achten Jahrhundert, altschwedische oder altspanische Lyrik oder vom unvermeidlichen François Villon alles wird gnadenlos in einen dröhnenden, ekstatischen Stampf-Rock transformiert. Vorbild war offenbar Queens "We Will Rock You" die Hymne wird im "Taubentritt" zitiert. Wichtiger aber ist die Mittelalter-Show. Die freie, schweißüberströmte Heldenbrust ist ebenso Pflicht wie die ausgiebige Feuerspeierei auch wenn dabei, wie jüngst in Mannheim, ein Vorhang Flammen fängt. Das Mittelalter war auch nicht ungefährlich.
