Hamburger Morgenpost - German - November 15, 2001
Mittelalter- * Metal
Nix für * Weicheier: * In Extremo
Man kennt diese Männer von Mittelaltermärkten. Grobes Leder und altes Eisen auf nackter Haut, die schweren Muskeln kaum bedeckt, hantieren sie mit kruden Mordinstrumenten, spielen auf altertümlichem Musiziergerät und spucken gerne Feuer. Man fühlt sich dann zuweilen - dick eingepackt und trotzdem fröstelnd - recht weicheiig vor derart harten Kerlen, rüden Recken wie den Jungs von In Extremo.
Auch die tingelten jahrelang von Burg zu Burg, spielten auf Schalmeien, Flöten, Dudelsäcken. Nun rocken sie in Konzerthallen ganze Tausendschaften, weil sie mediävale Klänge mit harter Rockmusik fusionieren, ihre Koalition von Mittelalter und Metal bei aller Fremdartigkeit trotzdem massentauglich gerät.
Ihre Konzerte sind laut und rau, mit viel Feuer, Schweiß und Leder - wahre Spektakel. 1996 in Berlin gegründet, gaben sich die sieben Musiker Namen wie Das letzte Einhorn, Dr. Pymonte und Die Lutter. Letzterer liegt derzeit im Krankenhaus, kämpft gegen den Krebs. An seiner statt wird Totti von der Berliner Band Boon den Bass bedienen.
"Sünder ohne Zügel" heißt das neue In Extremo-Werk. Wieder wurden Texte aus dem 15. Jahrhundert in markige Musik gekleidet, gibt es Zeilen wie "schäume nur, mein wildes Herz in des Zornes Wehen". Und wieder dürfte das Septett mit dieser Tour Erfolge feiern. Im vergangenen Jahr wurde es bei den ersten German Alternative Music Awards zur besten Live-Band geadelt, zog es durch ganz Europa, Amerika und Mexiko.
Als Anheizer sind diesmal die deutschen Schwarzkuttel-Rocker von Schock dabei, die jüngst ihr Debüt "Erwacht" veröffentlichten. Warme Kleidung braucht ihr nicht, denn heiß wirds garantiert.
