Powermetal.de - German - May 1, 2000
Interview mit Yellow Pfeiffer
Georg:In welchen Sprachen sind eure Lieder
verfasst.
Yellow PfeifferWir singen in Alt-Provonzialisch,
Schwedisch, Norwegisch, Altspanisch, Lateinisch, Deutsch und noch einige
andere Sprachen. Die Texte sind zum Teil Originaltexte, zum Teil inhaltlich
an die Originale angelehnt und zum Teil völlig frei getextet.
Georg:Könnt ihr dann so viele Sprachen?
Yellow Pfeiffer:Wir sind ja schon seit
ewigen Jahren auf Mittelaltermärkten unterwegs und da hast du sehr viele
Berührungspunkte mit anderen Bands und hörst dir auch viele Sachen aus
anderen Ländern an. Wir sind auch viel in Skandinavien unterwegs. Und da
hört man sich halt gute Sachen raus oder guckt mal in Büchereien und Musikbibliotheken
ob man was findest.
Georg:Und wer bringt euch die Aussprache
bei?
Yellow Pfeiffer:Am besten Leute aus dem
Land.
Georg:Das ist ja sehr Zeitaufwendig.
Yellow Pfeiffer:Ja, aber wie gesagt, wir
machen das schon ewige Jahre und dementsprechend haben wir ein großes Potential,
das sowieso schon da ist. Wir müssen ja nicht jedesmal alles neu erlernen.
Es gibt ja auch immer wieder Sachen die du erstmal auf Eis gelegt hast
und später schaust du mal wieder rein.
Georg:Ihr seid ja sehr viel unterwegs,
könnt ihr davon Leben?
Yellow Pfeiffer:Ja, das haut anders auch
nicht hin.
Georg:Welchen Bezug hast Du zum Mittelalter?
Yellow Pfeiffer:Spannend find ich die Vorchristliche
Zeit allgemein. Mittelalter find ich auch super. Ich beschäftige mich eigentlich
schon seit der Grundschule damit. So richtig bin ich allerdings erst über
das Handwerk reingekommen. In der Grundschule habe ich mal an Museumsdörfern
mitgearbeitet, ich habe dann Zimmermann und Stadtplanung gelernt und die
Musik hat mich eh schon immer interessiert.
Georg:Liest du dann auch viel Fantasy Literatur?
Yellow Pfeiffer:Nein Fantasy eher weniger.
Eher historische Romane wie Im Namen der Rose, die Säulen der Erde und
solche Sachen.
Georg:Und ihr seid dann auf die Idee gekommen
modernen Minnegesang zu machen?
Yellow Pfeiffer:Nein, eigentlich ist das
etwas anders gekommen. Ein großer Teil von uns hat schon immer Musik auf
Mittelaltermärkten gemacht ein anderer Teil Rockmusik und unser Sänger
Micha hat beides gemacht. Und so kam es dann das wir das irgendwann zusammengemacht
haben.
Georg:Aber so Mittelalterliche Instrumente
werden einem doch nicht an jeder Musikschule beigebracht.
Yellow Pfeiffer:Ich habe es halt bei anderen
Bands gesehen, und habe dann versucht an die Instrumente heranzukommen
und es mir dann beigebracht. Zum Teil lässt man es sich auch von anderen
zeigen. Es ist halt die Faszination, es ist halt ein Hobby.
Ich selber spiele inzwischen unterschiedliche Dudelsäcke, also in unterschiedlichen
Tonarten, Schalmeien, Nickelharpa und Flöten.
Georg:Welche Bands wären das dann?
Yellow Pfeiffer:So genau weiß ich das gar
nicht mehr. Das sind Folklorebands aus Polen, Tschechei, Dänemark, die
uns im Museumsdorf besucht haben.
Georg:Wie sieht euer Kontakt zu Corvus
Corax aus?
Yellow Pfeiffer:Wir wohnen in der selben
Stadt, aber der Kontakt ist eher mäßig.
Georg:Könnte es mal zu einer Tour von euch
beiden kommen?
Yellow Pfeiffer:Ich glaube nicht, daß die
Kollegen von Corvus Corax sich das vorstellen können.
Georg:Wie kommst du an die Kleidung und
Instrumente ran?
Yellow Pfeiffer:Wenn ich an mein Kostüm
denke, die Schuhe sind selber genäht, die Kettenschürze ist selbergemacht,
der Dudelsack ist selbergebaut. Es gibt auch Instrumente die von anderen
Instrumentenbauern gemacht werden, aber wir machen auch sehr viel selbst.
Es stecken halt auch viele Jahre Arbeit drin. Wir sind zwar seit 3 Jahren
richtig bekannt geworden, aber wir haben da ja viele Jahre Arbeit davor
reingesteckt.
Georg:Wie seid ihr zu euren Spitznamen
gekommen?
Yellow Pfeiffer:Die sind so über die Jahre
im Spass entstanden. Bei mir ist es so, ich heiße ja Pfeiffer und spiele
ja auch die Schalmei, Nomen est Omen. Yellow weil mein Kostüm gelb war,
und irgendwann war ich dann der Yellow Pfeiffer. Flex der Biegsame macht
ja die Akrobatik Show, da liegt das ja auf der Hand. Das Letzte Einhorn
hat ewig ein Klaus Kinski T-Shirt getragen und irgendwann hatte er den
Spitznamen.
Georg:Was für Musik hörst du privat.
Yellow Pfeiffer:Viel Folklore und Mittelalterliches.
Ich bin nicht so sehr Rockfan. Wenn dann höre ich gerne Skandinavische
Bands. Apokalyptika gefallen mir sehr gut.
Georg:Wie sieht es bei euch International
aus?
Yellow Pfeiffer:Wir kommen gerade von einer
Tour in Amerika und Mexico zurück. Wir kamen da sehr gut an. Es war das
erste Mal, aber bestimmt nicht das letzte Mal. Es hat viel Spass gemacht.
Unser größter Gig war ein Zusatzkonzert in Mexico. Da waren 10.000 Leute
anwesend, allerdings war es ein Umsonst und Draussen.
Georg:In den USA ist die Flut der Bands
ja viel größer. Wie war das dort?
Yellow Pfeiffer:Ja, das ist eine Wahnsinnsflut.
Die Leute die uns vorher noch nicht gehört haben sind da aber auch stehengeblieben,
es ist ja nicht so, daß wir wie jede andere Band klingen, oder so aussehen.
Wir fallen da sicherlich auf.
Georg:Wo findet man das Video von This
Corrosion?
Yellow Pfeiffer:Das ist auf dem Digi Pack
zu Verehrt und Angespien. Das war zuerst nur im Ausland veröffentlicht
ist aber als Reimport zurückgekommen.
Georg:So Texte wie die Merseburger Zaubersprüche,
wie kommt man da ran?
Yellow Pfeiffer:Das war im Osten Schullektüre.
Ich bin der einzige der aus dem Westen kommt. Aber auch ich habe das durch
die Mittelalterszene kennengelernt.
Georg:Wie stehst du zum Internet?
Yellow Pfeiffer:Ich selbst habe keinen
PC, aber wenn ich etwas suche, dann geh ich zu meinem Freund und schau
dort rein. Klasse finde ich so Sachen wie E-Mail. Wir waren ja erst in
Skandinavien und da liegen die Städte sehr weit auseinander und da ist
das natürlich Klasse wenn man so kommunizieren kann.
Und dann haben wir ja noch eine eigene Seite, die auch von uns selbst gemacht
wird. Da wir viel auf Tour sind, kommen wir leider nicht so gut zum aktuallisieren,
aber ich denke daß sie schon ganz gut ist.
Georg:Was gefällt dir besser, Studio oder
Live?
Yellow Pfeiffer:Lieber Live, aber auch
im Studio macht die Arbeit Spass.
Georg:Ist auch schon ein neues Album geplant?
Yellow Pfeiffer:Ja, wir werden bestimmt
im Winter wieder in den Proberaum gehen, aber was dabei rauskommt kann
ich jetzt noch nicht sagen. Wir haben aber grad mit Vollmond einen neuen
Song mit dabei, den wir das vierte oder fünfte Mal in Deutschland spielen.
Da kommt auch demnächst eine Single raus.
Georg:Was macht die Metalfraktion bei Akkustik
Gigs?
Yellow Pfeiffer:Die Spielen mit. Unser
Schlagzeuger spielt Trommeln, unser Bassist spiel Trumscheit, das ist so
ein mittelalterliches Seiteninstrument. Es macht so einen schnarrenden
dunklen Ton. Unser Gitarrist ist da nicht dabei, muß er aber auch nicht.
Georg:Möchstest du noch etwas zum Abschluss
sagen?
Yellow Pfeiffer:Ja, man muß das Leben geniesen.
Georg:Vielen Dank.
