Berliner Morgenpost - German - December 17, 2001

In Extremo - feierten ein Gauklerfest der neuen Art

"In diesem Saft soll man die Lästerzungen schmoren", klingt die mit elektronischer Musik unterlegte Stimme Klaus Kinskis aus den Lautsprechern durch das Dunkel. In Extremo machen keinen Hehl aus ihren Vorlieben. Den sieben Vaganten vom Prenzlauer Berg ist das Kunststück gelungen, mittelalterlichen Liedern der fahrenden Sänger ein schwermetallenes Wams umzuhängen. Gitarre, Bass und Schlagzeug legen einen wuchtigen Rocksound vor, der mitunter ein wenig an Rammstein erinnert. Doch schnell marschieren drei Dudelsackspieler auf, Flammen lodern meterhoch, und der blonde Sänger, der auf den schönen Namen Das letzte Einhorn hört, holt altdeutsche und nordische, lateinische und althebräische Texte aus der Vergangenheit ins elektrifizierte Heute.

Vom ersten Stück an ist das Publikum in der ausverkauften Columbiahalle in wilder Bewegung. Hier sind beinharte Kerle am Werk, die erst mit mittelalterlichen Instrumenten Marke Eigenbau über die Gauklerfeste des Ostens zogen, bevor sie vor gut vier Jahren Dudelsack und Schalmei, Harfe und Flöte mit dem Rock'n .Roll verkuppelten. Die neue Show ist perfekt inszeniert als Gauklerfest der neuen Art.

Das exakte Zusammenspiel zwischen alten und neuen Instrumenten verblüfft. Der klagende Klang der Dudelsäcke und Schalmeien korrespondiert aufs Beste mit den Gitarrenbreitseiten und der Schlagzeugarbeit von Drummer Morgenstern. In Extremo haben die Rockmusik nicht neu erfunden, ihr aber sozusagen eine berlin-brandenburgische Variante abgerungen, in der Jahrhunderte alte Traditionen aufs Modernste aufpoliert werden. Der Jubel war frenetisch. Zu Recht.